Mit unserem Tagebuch möchten wir euch einen kleinen Einblick in den ganz normalen Wahnsinn des Tierheimalltags, unsere Arbeit und Erlebnisse geben. Ihr könnt Freude und Trauer mit uns teilen und seid so einfach ein bisschen mittendrin und bei uns und den Hunden.

11.10.2022

Der Grashüpfer hatte sich Amadeo als „Mitfahrgelegenheit“ ausgesucht. Vielleicht waren ihm die langen Beine nach der kalten Nacht noch etwas steif. Aber er merkte sofort als wir ein größeres Wiesenstück erreichten und sprang behende ab 🙂

Die Mitfahrgelegenheit für Hummel ins neue Zuhause bot ihr Christian an. Sie war nicht sehr aufgeregt eher neugierig was es alles zu entdecken gab. Was zum knabbern auf nem weichen Teppich, das war schon mal ein gelungenes Willkommen und Hummel meinte so könnte es weitergehen und Christian könne sie ruhig dort lassen. Hat er natürlich dann auch. Tschüss Prinzessin, es war uns eine Freude dich bei uns zu haben. Jetzt geht ein neuer Lebensabschnitt los, den du mit der dir eigenen Energie in Angriff nehmen wirst 😉

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10.10.2022

Jetzt sind sie da die Bilder von Netti. Manchen Menschen ist es eben lieber sie machen selbst die Fotos, als wenn wir sie beim heimbringen machen. Ist ja auch ok so. Die sanfte Netti musste nicht lange warten dass ihre Familie sie hier bei uns fand. Sieben Jahre lebte der ex Wörrstädter Olli bei ihnen und hinterließ eine große Lücke. Nachdem die Familie die Trauerphase bewältigt hatte sollte es wieder ein Wörrstädter sein. Nettis Familie besteht aus 5 Menschen, so dass immer genug Hände zum streicheln da sind, das ist ihr sehr wichtig. Sie liebt Nähe und Körperkontakt und dabei sein können. Draußen ist Netti eher noch etwas schüchtern unterwegs und so ist es gut, dass sie sehr ländlich wohnt, ohne viel Trubel und Verkehr. Jetzt geht das gute Leben los, genieß es.

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09.10.2022

Alle retten sich ins Warme, recht haben sie. Netti und Mavy haben es auch geschafft, aber dazu haben wir noch keine Bilder bekommen, deshalb heute die Geschichte einer ganz besonderen Vermittlung.

Heidi und Werner, langjährige Freunde, Helfer und Unterstützer von uns und unseren Hunden verloren innerhalb eines halben Jahres ihre beiden innig geliebten Hunde Paul und Matty. Die Trauer war groß und die Leere Zuhause unerträglich. Es sollten wieder zwei Hunde einziehen. Die Wahl fiel auf Minze und Quax, worüber wir ganz arg froh sind, weil beide total kurzes und dünnes Fell ohne Unterfell haben. Nun lebte in der Gruppe von den beiden noch die liebe Merle, bei der wir alles tun, um ihre Krebserkrankung in Schach zu halten. Heidi und Werner fackelten nicht lange und so durfte Merle nun auch noch als Dauerpflegi mit einziehen. Das ist so eine wunderbare Wendung für das freundliche Mädel. Bei Krebserkrankungen spielt das Immunsystem eine wichtige Rolle und was könnte ein besserer Booster sein, als ein schönes Zuhause, als geliebt und umsorgt zu werden. Dazu die beiden Flietzpiepen, die Leben in die Bude bringen. Auch sind Minze und Merle in der gemeinsamen Zeit bei uns gute Freundinnen geworden, die gerne miteinander spielen. Perfect Match sozusagen! 

Minze war sehr froh wieder in einer häuslichen Umgebung zu sein und Quax und Merle haben sich im Handumdrehen angepasst und sich die neuen Annehmlichkeiten zu eigen gemacht. Merle hat im Gegensatz zu ihren Kumpels noch nicht das Couch Gen in sich entdeckt, aber das kommt sicher noch. Wenn man lange aufopferungsvoll einen Hundesenior gepflegt hat, dann ist es Balsam für die Seele, wenn wieder Fröhlichkeit und Lebendigkeit um einen herum ist, das vertreibt die trüben Gedanken. So Ihr Fünf, das war wirklich die volle Packung der Umzug. Ab jetzt werden die Spaziergänge wieder sportlich 😉 Lasst es euch einfach gut gehen und habt viel Spaß und Freude am Kennenlernen und Zusammenwachsen.

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06.10.2022

Was war Bruno aufgeregt, als wir am Samstag ins neue Zuhause fuhren. Schon wieder in eine Box einsteigen? Da saß ich doch vor drei Wochen erst drin und verschwand dann samt Box im Bauch eines Flugzeugs. Die Fahrt dauerte aber zum Glück nur eine halbe Stunde und angekommen gings erstmal auf einen schönen Spaziergang die neue Umgebung erkunden.

Ins Haus lief der Bub ganz unbefangen rein, kam aber lange nicht zur Ruhe. Alles wurde inspiziert, ein Schuh aus dem Flur ins Wohnzimmer getragen, die ein oder andere Deko umverteilt, was man halt so in blindem Aktionismus macht wenn man unsicher ist. Aber wenn die Menschen mit Ruhe und bedacht reagieren, legt sich das von ganz alleine. So auch bei Bruno. Damit er sich gleich zurecht findet, hatte die achtjährige Tochter ihm Schilder für seinen Kuschelplatz und ganz wichtig für die Futterstation gemalt. Inzwischen läuft alles in ruhigen Bahnen und alle fühlen sich sehr wohl miteinander.  

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04.10.2022

Heute gabs kein Frühstück für Kitty, denn um 09.00 lag sie schon unterm Messer, um das Gewächs am Augenlid zu entfernen. Danach und in der Aufwachphase lag sie unter einer Decke die mit warmer Luft gefüllt wurde. Da hatte Kitty so gar keine Lust aufzustehen und drunter vor zu kriechen. Zuhause kam erstmal der blöde Plastiktrichter ab und wurde durch einen Opti Visor ersetzt. Das ist weitaus angenehmer für den Hund als das sperrige Teil mit dem man überall hängen bleibt. Das Abendessen wurde mit Begeisterung verputzt und Morgen ist die Welt schon wieder in Ordnung.

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03.10.2022

Wir pflegen alle noch unsere Schwimmhäute von gestern und die zwei durchweichten Regenjacken sind immer noch nicht trocken. Leider kamen unsere gestrigen Neuankömmlinge auch im strömenden Regen an. Sie waren aber so froh sich bewegen und flitzen zu können, dass sie sich nicht groß daran gestört haben. Wir werden sie jetzt erstmal alle näher kennen lernen und schauen, wer zu wem passt.

Svea war gerade mal 6 Monate jung als sie zusammen mit ihrer Mutter in das bulgarische Tierheim kam. Seitdem sind 15 Monate vergangen, die Mama hat schon längst ihr Zuhause gefunden und Svea wartete immer noch. Es war an der Zeit, dass das nette Mädel auch da raus kam. Sie wurde in Bulgarien am Schienbein operiert und humpelt, was aber ihrer Bewegungss- und Spielfreude keinen Abbruch tut.

Der sechsjährige Huskybub Rover wurde im Frühjahr von seiner Familie im Tierheim abgegeben und kam wie die meisten dort an die Kette. Das hat er nicht verstanden, wie auch. Jetzt schaun wir mal, dass er wieder fröhlich wird und lachen kann.

Auch der zweieinhalbjährige Gandalf musste über ein Jahr an der Kette ausharren. Für den verspielten und aktiven Buben eine Qual. Er ist wie Rover auch noch recht gestresst und braucht ein paar Tage um sich zu berappeln.

Die neunmonatige Bessy war noch ein richtiger Zwerg als sie ins Tierheim kam. Zum Glück konnte sie bald in eine Pension ziehen, wo die Unterbringung für die Hunde wesentlich angenehmer und sicherer ist. Bessy ist ein liebes Mädel, freundlich und zugänglich und gut mit ihren Kumpels

Der vierjährige Jasper möchte nur eines, Menschen nahe sein und sich endlich satt essen, denn er ist sehr dünn. Er verzehrt sich nach Aufmerksamkeit und Zuwendung, nichts ist ihm wichtiger.

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29.09.2022

Es ist ja schön wenn einen Menschen anrufen und einem sagen, dass unser Hundeheim einen sehr guten Ruf hat und man deswegen hofft, dass wir die Probleme der Menschen lösen. Sprich einen Hund aufnehmen den sie bei einem anderen Verein geholt haben, jetzt aber mit dem Hund nicht zurecht kommen und der Verein sich wegduckt und den Hund nicht zurück nehmen will. Allein Heute hatten wir 4! solcher Anrufe und das gleiche passiert jede Woche mehrmals.

Die schwarzen Schafe im Tierschutz werden gefühlt immer mehr. Immer mehr Vereine die Hunde importieren, zackig vermitteln, die Schutzgebühr kassieren und nach mir die Sintflut. Da wird den Adoptanten gesagt, dass sie sich selbst darum kümmern müssen wo der Hund unterkommt, ob sie ihn nun auf ihre Kosten in eine Pension setzen oder sich eine Pflegestelle suchen oder ihn eben in einem Tierheim abgeben. Das ist ohne Worte, unter aller Sau und schlichtweg Hundehandel. 

Auch bei uns kommen viele Hunde aus dem Ausland, aber wir übernehmen ihr Leben lang die Verantwortung für sie und genau so gehört sich das. Auch die Naivität so mancher Adoptanten ist erschreckend. Wie kann ich einfach auf ein Bild hin und ein magerer Infos mir einen Herdenschutzhundmix aus dem Ausland kommen lassen und nun muss er nach ein paar Tagen weg, weil er den Freund nicht akzeptiert und anknurrt? Vorher das Hirn einschalten würde Mensch und vor allem auch den Hund vor solchen Enttäuschungen bewahren und verhindern, dass gerade solche Hunde zum Wanderpokal werden und letztlich den Rest ihres Leben in einem Tierheim absitzen müssen. Es geht um Lebewesen und nicht um einen Kühlschrank oder ein Buch dass mir nach den ersten Seiten lesen nicht gefällt und ich es dann ins Regal stelle und dort verstauben lasse. Wenn ihr ein Problem mit eurem Hund habt, dann geht mal in euch, wo der Fehler liegt, oft genug ist der Mensch das Problem. An Problemen kann man arbeiten und wenn einem dazu die Zeit, die Lust oder das Geld fehlt, dann sollte man vielleicht grundsätzlich von Entscheidungen mit solcher Tragweite für ein Lebewesen die Finger lassen.

Wer will findet Wege. Wer etwas nicht will findet Gründe….. (Dalai Lama)

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27.09.2022

Für uns Menschen ist das ganz normal, dass wir in so manchen Situationen Kompressionsstrümpfe tragen müssen. Zum Glück gibt es so etwas auch für Hunde. Isa kommt weiterhin täglich für Sienas Lymphdrainage und danach kommt der Kompressionsstrumpf drauf. Das tut Siena wirklich gut und das Bein ist schon viel besser geworden. Nur oberhalb des Karpalgelenks zum Oberschenkel hin läuft noch Wasser nach, aber nur noch relativ wenig. Wir sind also auf einem guten Weg 🙂

Senior JayJay hat sich inzwischen gut eingelebt und ist viel lockerer drauf als am Anfang. Er hat weiterhin keinerlei Probleme mit Durchfall und futtert Heidis gekochte Menüs mit großem Appetit.

Naa, wollt ihr wissen wie es mir geht? Ich will mal so sagen, besser geht nicht! Meine Menschen sind schwer verliebt in mich und ich revanchiere mich was mir nicht schwer fällt, denn ich liebe Nähe und Körperkontakt. Und am besten geht das wenn man mit im Bett schlafen darf. Oh Mann, ist das schöööön. Früh aufstehen ist ab jetzt passè.

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25.09.2022

Viele Menschen die gerade ihren Hund verloren haben brauchen erstmal eine Pause um den Verlust zu verarbeiten. Sie suchen nicht aktiv nach einem neuen Hund und merken, dass sie emotional noch nicht bereit sind. Und dann plötzlich bekommen sie von einem Hund erzählt, sehen ein paar Bilder und sofort ist der Gedanke im Kopf diesem bestimmten Hund ein Zuhause zu geben. Der ist es….

Und genauso war es. Freunde von unserer Physio Isa haben innerhalb eines halben Jahres ihre beiden Hunde verloren und beschlossen erstmal eine Hundepause einzulegen. Bei einem Treffen gestern erzählte Isa ohne jeglichen Hintergedanken von Jesi und ihrer Behandlung und zeigte ein paar Bilder von der Maus. Schwupps wars passiert. Heute kamen sie zum Kennenlernen und Christian fuhr mit Jesi direkt hinterher ins neue Zuhause. 

Das bescheidene Herzchen orientierte sich in der neuen Umgebung völlig an Christian der ihr alles Stück für Stück vertraut machte. Bei jedem neuen Raum fragte sie mit Blicken nach seiner Erlaubnis, ob sie das auch darf. Wir sind sicher, dass Jesi mit diesen liebevollen und emphatischen Menschen ganz schnell auftauen und sich sicher fühlen wird. Ihre weitere Behandlung durch Isa ist sichergestellt. So schnell kanns gehen. Wir freuen uns so, denn wir waren davon ausgegangen, dass es recht schwierig werden würde für Jesi Menschen zu finden, die sie mit ihren kaputten Ellenbogen und Karpalgelenken aufnehmen würden. Aber das gute Karma war mit Jesi, die einfach durch ihr zauberhaftes Wesen alles wettmacht. Jetzt hab einfach ein wunderschönes Leben und geniess alles was du vorher vermissen musstest.

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22.09.2022

Letzte Woche und gestern sind zwei unserer schwarzen Perlen zu ihren neuen Familien gezogen. Erst die hübsche Nova und gestern auch der freundliche Keno. 

Was könnte besser aussehen als ein schwarzes Mädel auf einem knallroten Sofa?! Nova war sehr schüchtern als sie bei uns ankam und kannte nichts. Sie hat sich sehr fein entwickelt und macht sich im neuen Zuhause ganz prima. Viel Glück Hübsche.

Wir freuen uns so, dass es auch für Seelchen Keno jetzt gepasst hat. Hunde wie Keno, die so die Menschen lieben und sich nach Nähe und Zuwendung verzehren, tun sich immer schwerer im Tierheim. Aber endlich wurde Keno gesehen und hat nun auch seine Menschen. Die Trennung fällt ihm schwer wenn er mal stundenweise alleine bleiben muss, aber das spielt sich alles ein. Er wird schnell merken, dass seine Menschen zuverlässig wieder kommen. Jetzt leb los lieber Keno, hast lange genug warten müssen.

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