Mit unserem Tagebuch möchten wir euch einen kleinen Einblick in den ganz normalen Wahnsinn des Tierheimalltags, unsere Arbeit und Erlebnisse geben. Ihr könnt Freude und Trauer mit uns teilen und seid so einfach ein bisschen mittendrin und bei uns und den Hunden.

25.10.2022

Das ist das zweite Notfellchen, der 13 jährige Elias. Der arme Bub war angefahren worden und wurde mit gebrochenem Bein und ganz schlimm, mit gebrochenem Becken gefunden. Das Bein konnte man operieren, dabei wurde auch ein Tumor entfernt aber das Becken muss von alleine heilen. Auf den Röntgenbildern sieht man, dass auf Elias geschossen wurde, zwei Projektile stecken noch drin. Der alte Mann ist in keinem guten Zustand und hat sich den ersten Tag gar nicht bewegt. Inzwischen dappelt er ein bisschen durch die Gegend und futtert auch mit Appetit. Morgen gehts mit ihm zum Tierarzt, da er Blut pinkelt. Das Blutbild das in Bulgarien im Juli nach dem Unfall gemacht wurde sieht nicht gut aus, auch das werden wir überprüfen. Elias hat wirklich schon so einiges in seinem Leben mitgemacht, jetzt müssen noch mal bessere Zeiten für ihn kommen.

Auf was trauriges muss was fröhliches folgen, ein lustiges, zierliches Mädel mit Fledermausohren, weshalb wir sie Batty genannt haben. Das kleine Mädchen ist zwei Jahre jung, aufgeschlossen, freundlich und verschmust und gut verträglich mit anderen Hunden. 

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24.10.2022

Unsere Neuen sind eine bunte Mischung von klein bis groß, von jung bis alt. Fangen wir mal mit dem ersten von zwei Notfellen an.

Die neunjährige Mina hat über sechs Jahre in dem Tierheim zugebracht und da sie eine bescheidene, ruhige Hündin ist, fiel sie nie auf. Eines Tages bemerkten die Tierschützer dass Mina einen riesigen Tumor an der linken Maulseite hatte. Sie holten sie raus und ließen sie operieren. Die Tierärzte dachten zunächst es sei gutartig, leider ergab der pathologische Befund ein bösartiges Melanom. Noch wurden keine Metastasen gefunden aber das kann ja auch wenns schlecht läuft mal ganz schnell gehen. Und so ist das liebe Mädel jetzt bei uns um aufgebaut zu werden und hoffentlich dem Krebs noch eine ganze Weile ein Schnäppchen zu schlagen. Mina hat eine Patin, der sie sehr am Herzen liegt und die sie finanziell auch mit anfallenden Tierarztkosten unterstützt. Das ist uns eine große Hilfe. Wie man an den Augen sieht ist Mina noch sehr in sich gekehrt. Ihr bisheriges Leben war hart und lieblos und so wie sie schaut, hatte sie die Hoffnung dass da noch etwas Besseres in ihrem Leben kommen könnte schon aufgegeben. Wir werden ihr zeigen, dass eine ganze Menge an Schönem auf sie wartet und hoffen, dass ihre Augen wieder Glanz bekommen und Mina bald wieder fröhlich wird. 

Das Gegenteil von Mina ist das dreijährige Pudelmädchen Pebbles. Sie ist von Grund auf positiv und fröhlich, ein Hundemädel das sich die gute Laune durch nichts verderben lässt. Pebbles hat viel Energie, sprüht nur so vor Leben und Neugier und liebt Menschen und ihnen nah zu sein. Auch mit anderen Hunden ist sie super verträglich. Der kleine Irrwisch sucht ebenso fröhliche und aktive Menschen wie sie es ist, die mit ihr die Welt entdecken und jede Menge Spaß haben wollen. 

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23.10.2022

Es gäbe viel zu schreiben denn heute sind 8 neue Schützlinge und Notfelle angekommen. Aber ich bin platt es war ein langer Tag, deshalb heute nur ein kurzes Lebenszeichen. Das Füttern das mit einem riesen Donnerschlag und einem Wolkenbruch losging, das war schon mal Mist. Mit soviel Neuen dauert das dann auch alles sehr viel länger. Zu guter Letzt noch das Futter für alle für Morgen Früh vorbereiten und dann ist echt die Luft raus…

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21.10.2022

Oh Mann, was soll man denn mit so einem bescheidenen Tag anfangen??? Unsere Mitarbeiter, HelferInnen und Hunde hatten im Gegensatz zu Svensson leider keine Wahl. Sie hätten sicherlich alles dafür gegeben mit ihm zu tauschen…

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20.10.2022

Teilhabe am Leben in all seinen vielen Facetten. Teilhabe so wichtig und doch so vielen verwehrt. Teilhabe kann nur durch Solidarität, durch Verständnis für die Bedürfnisse und Nöte anderer entstehen. Etwas von dem abgeben wovon man viel oder zumindest genug hat. Damit wir Hunden wieder eine Teilhabe am Leben ermöglichen können sind wir auf Menschen angewiesen, die dieses Gedankengut als Lebensmaxime in sich tragen. Und es ist immer wieder ein wunderbarer Moment, wenn wir diese Solidarität erfahren dürfen. 

So wie jetzt von einem Ehepaar, deren Leben seit 13 Jahren durch eine Wörrstädterin bereichert wird.  Genauso wie langjährige Unterstützer und liebevolles Zuhause von zwei Wörrstädter Nasen. Sie leben in gesicherten Verhältnissen und haben beschlossen uns ihre 300 € Energiekostenpauschale zu spenden, da sie darauf nicht angewiesen sind und es weitaus sinnvoller fänden, wenn dieses Geld ausschließlich an Menschen ausgezahlt würde, die es auch wirklich brauchen und nicht einfach im Gießkannenprinzip verteilt worden wäre. Das ist so eine große Geste, für die wir uns gar nicht genug bedanken können. Das sind die Menschen die in unserer Gesellschaft den Unterschied machen, denen Teilhabe am Herzen liegt, die nicht nur um den eigenen Bauchnabel kreisen. So schön, dass es euch gibt, dass ihr an unserer Seite steht und dass wir auf euch zählen dürfen. DANKE!!!

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19.10.2022

Ja ich weiß, wer denkt bei 20 Grad schon an einen Weihnachtsmarkt. Aber hilft ja nix, der 1. Advent ist diese Jahr so früh, dass wir wegen der einzigartig schönen Adventskränze unserer Bastelfeen eben auch eine Woche früher dran sein müssen. Und egal wie warm es am 20. November sein wird, alleine die besten Kartoffelpuffer zwischen Uppsala und Kapstadt lohnen schon einen Besuch und zur Not wird der Glühwein durch Sangria ersetzt 😉

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18.10.2022

Wir sind immer sehr froh wenn es gelingt gerade für die jungen Hunde zeitnah das richtige Zuhause zu finden. Dass sie diese Lebensphase in der sie so formbar sind und die so wichtig für ihre Entwicklung, für das weitere Leben ist, nicht im Tierheim verbringen müssen, wo die Möglichkeiten sie zu fördern einfach sehr viel begrenzter sind als in einem liebevollen Zuhause. Auch Pitxu hatte jetzt das Glück von den richtigen Menschen gesehen zu werden. Es sind genauso gute Laune Menschen, wie Pitxu ein gute Laune Hund ist, der es mit seinem aufgeschlossenen Wesen keinem schwer macht einen Zugang zu ihm zu finden. Der Umzug lief völlig unproblematisch, da Pitxu in Spanien das Glück hatte auf einer guten Pflegestelle sein zu können. Das macht vieles einfacher. Der junge Bub strahlt und schaut mit großen Augen in die neue, große Welt die sich ihm da jetzt eröffnet. Wir sind sicher, die 3 werden jede Menge Abenteuer zusammen erleben 😉

Dass allerdings Humpelbeinchen Svea mit dem charmanten Unterbiss so schnell ihre Menschen findet, damit hatten wir nicht gerechnet, umso schöner ist es für das kleine Mädel und natürlich auch für uns. Da braucht es Menschen denen die inneren Werte wichtiger sind als Optik oder körperliche Einschränkungen und die sind in der heutigen Zeit mit all ihrer Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit rar gesät. Svea wird geliebt so wie sie ist und das ist die Hauptsache. Auch mit einem Handicap kann man ein schönes und erfülltes Leben haben und genau das wird die nette Maus nun haben. 

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16.02.2022

Nach Hummels Auszug blieb ihr Kumpel Chuck alleine zurück. Seine Vergesellschaftung mit Magic zeigte dass die beiden sich so gar nichts zu sagen haben. Sie fühlten sich wirklich unwohl miteinander und Chuck hatte Angst vor der zackigen Magic. Da auch Claire nach dem Umzug ihrer drei Gefährten alleine war, zog nun Chuck zu ihr und das passt.

Wenn Hunde die bisher keine Erfahrungen mit dem häuslichen Leben und den ganzen „Errungenschaften der Zivilisation“ haben, ist das Ding Fernseher mit all seinen Bildern und Geräuschen für so manchen erstmal beängstigend und sie müssen langsam in kleinen Dosen herangeführt werden. Die kleine Mavy hat dieses Problem nicht, sie hofft allerdings vielleicht mit der Zeit etwas mehr Einfluss auf die Programmgestaltung zu haben 😉 Mavy hat sich schon gut eingelebt und genießt die vielen Annehmlichkeiten.

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14.10.2022

Na, wie reagiert ihr wenn ihr total überfordert seid? Einen Posten ausfüllen müsst, dem ihr nicht gerecht werden könnt. die Verantwortung mehr ist als ihr tragen könnt? Mit Hektik, werdet ihr laut und ungerecht, haut ihr auf andere drauf in eurer Überforderung und dem Frust darüber? So mancher bestimmt und zahllose Hunde zahlen eine bittere Rechnung weil ihr Mensch mit ihnen überfordert ist. 

Heute solls aber nicht um überforderte Menschen sondern eben solche Hunde gehen. In einer Gruppe von Hunden hat immer einer den Hut auf. Je nach Zusammensetzung der Gruppe vielleicht der älteste und klügste, der dominanteste oder durchsetzungsfreudigste und manchmal auch ein eigentlich unsicherer Hund, weil die anderen noch unsicherer sind oder sich nie so in den Vordergrund drängen würden um sich diese Aufgabe aufzuhalsen. 

Wir haben heute Shanti aus ihrer Gruppe mit Karlsson und Bessy heraus genommen. Sie wurde immer ungerechter und gereizter den beiden jungen Hunden gegenüber, eben weil sie mit der Führungsrolle die keiner der beiden anderen beanspruchte, überfordert war. Das Zusammentreffen mit Ina, Snooker, Pitxu und Hanna verlief dagegen ganz anders, gesittet, ruhig und plötzlich konnte sich Shanti ein- und unterordnen. Sie war offensichtlich froh den ungeliebten Job und die Verantwortung abgeben zu können. Dort wird sie wieder etwas lernen können was sie vorwärts bringt und die beiden Jungen können keinen Unsinn von ihr lernen. Und Ina die Chefin hat eh alles im Griff, da könnte sie sich abschauen wie mans macht. Spannend, die Reise geht weiter…

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13.10.2022

Ich bin ziemlich müde im Moment und da fällt es Abends schwer den Kopf noch zu sortieren und das Tagebuch zu schreiben. Ich habe heute einen Artikel über die Not der deutschen Tierheime gelesen. Was passiert wenn Tierheime die Kosten, die sich inzwischen mindestens verdreifacht haben, nicht mehr tragen können? Paten und Mitglieder springen ab, die Spendenbereitschaft geht in den Keller während auch für uns die Unterhaltskosten, egal ob Löhne, Futter, Baumaterial etc. exorbitant steigen. Es heißt, die einzige Rettung wären Spenden und Erbschaften. Es gibt gar nicht so wenige Tierheime die mit Erbschaften bedacht werden, wir gehören nicht dazu. D.h. vor ewigen Jahren hatten wir mal eine Erbschaft, 600 DM … Über Winter schließen, wäre sicherlich eine Kosten sparende aber auch eine rein hypothetische, weil nicht durchführbare Maßnahme. Zumindest unseren großen Gefrierschrank werden wir leer räumen und abschalten und sehen, dass wir uns irgendwie über Wasser halten.

Und gleichzeitig reißen die Anrufe wegen Abgaben, die Notrufe und Anfragen nicht ab. Tierheime haben eine große Verantwortung und eine gesellschaftliche Aufgabe und werden doch damit alleine gelassen. Denn letztlich ist der Mensch wichtiger. Wie es uns damit geht? Schlecht, es belastet einen sehr, aber wir können doch jetzt auch nicht den Kopf in den Sand stecken und die Augen vor all dem Leid und Elend verschließen, denn genau dafür sind wir doch da, um genau denen zu helfen. Es ist eine Gratwanderung und wir müssen sehr bedacht einen Fuß vor den anderen setzen. 

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