Ich bin der Aras, ein inzwischen dreizehnjähriger, kastrierter Tschechischer Schäferhundrüde. Ich gehöre inzwischen zum Inventar des Tierheims, denn von meinen 13 Jahren habe ich achteinhalb Jahre schon hier verbracht. Ich bin leider einer der Hunde wie es sie in jedem Tierheim gibt, für die sich kaum jeh jemand interessierte

Mit drei Jahren wurde ich hier wegen meines übermäßigen Jagdtriebes abgegeben, der aber nur entstehen konnte, weil mich meine damalige Besitzerin ohne jegliche Erziehung einfach ableinte, da ich ihr zu stark an der Leine zog.  So entwickelte sich mein Jagdtrieb umgebremst. Ich fands toll und schnell war ich, ungeheur. Na ja, als es dann ein echtes Problem war wurde ich abgeschoben.

Hier hat man dann anderthalb Jahre täglich mit mir gearbeitet, bis ich soweit war, dass ich angeleint beim Anblick von etwas jagdbarem nicht mehr völlig ausflippte. Es fand sich dann auch ein Zuhause für mich, wo weiterhin mit mir gearbeitet wurde. Ich kam toll mit meinen Leuten und den Enkelkindern zurecht. Bis dann eines Tages die alte Mutter meines Besitzers, die mit uns lebte, mit über 90 Jahren starb und er völlig die Orientierung verlor. Ab da gings bergab. Er misshandelte mich nicht, lies mich aber ziemlich verwahrlosen. So holten mich die Wörrstädter zurück und seitdem bin ich wieder hier. Es ist erschreckend, dass die Leute eine  sechsjährigen Schäferhundrüden schon für alt halten und sich keiner mehr dafür interessiert. In meinem Fall wars leider so.

Ich bin für mein Alter unglaublich fit und bewegungsfreudig, bin noch voller Kraft und Energie, spiele Ball und liebe meine Spaziergänge. Habe weder HD noch Arthrose dafür aber leider seit Anfang letzten Jahres einen bösartigen Knochentumor über dem linken Auge. Er ist nicht operabel und wächst rapide, so dass inzwischen schon mein Auge völlig nach innen verdrängt ist und der ganze Kopf deformiert ist. Noch komme ich mit Schmerzmitteln gut zurecht und habe noch viel Spaß am Leben. Und so lange das so ist, werde ich meinen Lebensabend hier genießen.

13.04.2010

Tja so war das bis heute Morgen und plötzlich war alles anders. Über Nacht war der Tumor nach innen aufgegangen und Aras war ungewöhnlich ruhig und schien starke Schmerzen zu haben. Von einem Tag auf den anderen war der Glanz aus seinem einen verbliebenen Auge gewichen und auch das Fell sah stumpf aus.  Keine Freude mehr, der Lebenswillen vom Tumor aufgesogen.

Auch wenn uns klar war, dass es eine Frage der Zeit war, bis zu diesem Moment - wenn er dann da ist, ist es odhc jedes Mal schwer. Aras bekommt mit dem Futter Beruhigungstabletten, denn er mag Spritzen und jegliche Manipulationen an sich überhaupt nicht. Und der letzte Gang soll nicht mit Kampf verbunden sein. Die Beruhigungstabletten wirken rasch. Christian ist bei ihm, bettet Aras Kopf in seinen Schoß und als die Tierärztin kommt ist er schon ganz ruhig und fast weggetreten. Die Spritze merkt Aras nicht mehr. Es war der richtige Zeitpunkt und schläft für immer  ganz rasch ein.

So viele Hunde hast du kommen und gehen sehen und für so viele Jahre waren wir deine Familie. Wir gönnen dir die Ruhe und werden dich nie vergessen